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Appenzell. Der Zimmermann Michael Koller hat sich auf den Bau von Blockhäusern spezialisiert. Für ihn bietet das Leben im Blockhaus ein einzigartiges Wohnklima.
 

Wenn Michael Koller über den Blockhausbau berichtet, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Klar, dass er als gelernter Zimmermann von Berufes wegen viel weiss. Die Leidenschaft aber, mit der er über seinen Beruf – vielmehr über seine Berufung – spricht, ist alles andere als selbstverständlich. Bei Michael Koller zeigte sich diese Begeisterung schon früh. Der Vater war Zimmermann, und für den Sohn stand seit dem Kindergarten fest, dass auch er diesen Beruf erlernen möchte. 

Im Ohr trägt er kein Kühlein, sondern eine Axt. Im Innerrhoder Dialekt heisst sie Brädäx (Breitaxt). Heute wird dieses Werkzeug zwar nicht mehr verwendet, um aus Rundholz Balken zu schlagen, weil es mit Sägen viel schneller geht. Aber sie ist dennoch Symbol für den Beruf des Zimmermanns. Und sie gab dem Einmann-Unternehmen von Michael Koller den Namen. Anfang des Jahres hat sich der 29-Jährige selbständig gemacht. Spezialisieren möchte er sich auf Blockhausbauten.

 
Ins Land der Blockhäuser
Um diese Form des Zimmermannshandwerks zu erlernen, ging Michael Koller im letzten Jahr nach Finnland, in das Land der Blockhäuser und des Waldes. Für einen naturverbundenen Menschen, der erst noch beruflich mit Holz zu tun hat, eine Traumdestination. Er könnte sich, so der Vater zweier Kinder, sogar vorstellen, dorthin auszuwandern. Vier Wochen dauerte der Kurs, bei dem er erste Kenntnisse über das Blockhausbauen erhielt. Der bei uns bekannte Strickbau gehört auch in die Familie des Blockbaus. So nennt man die Eckverbindung bei uns «Schwalbenschwanz», im finnischen Blockbau heisst sie «Lachsflosse». Der Name ist adäquat, aussehen tun die Verbindungen aber ähnlich. Einziger, Unterschied zwischen Strick- und Blockbau: Für den Blockbau wird Rundholz verwendet, für den Strickbau sind es Balken. Dieser Unterschied ist einigen – unter anderem dem Heimatschutz, der findet, Blockhäuser passen nicht in unsere Landschaft – zu markant. Noch hat sich der Blockhausbau hierzulande nicht durchgesetzt. Dabei schwärmt Michael Koller: «Wer einmal in so einem Haus gewohnt hat, ist begeistert vom heimeligen Wohnklima.» Er selbst würde sich sofort ein Blockhaus bauen. Allerdings ist das – wie der Bau jedes Eigenheims – nicht ganz günstig. Ein Blockhaus kostet fünf bis zehn Prozent mehr als ein übliches Einfamilienhaus. Auf Holz in den eigenen vier Wänden verzichtet der Appenzeller dennoch nicht. Mit seiner Familie wohnt er in einem Berner Chalet. Er sieht nebst dem schönen Ambiente noch andere Vorteile des Blockhauses: Man verwendet einen ökologischen, nachwachsenden Rohstoff aus der Region. Der Zimmermann geht mit dem Förster in den Wald und wählt die Bäume aus – vor allem Weisstannen, aber auch Rottannen. Der Transportweg ist dadurch sehr kurz und die Wertschöpfung bleibt in der Region.

 
Erfahrungen sammeln
Das Netzwerk unter den Blockhausbauern in der Schweiz funktioniert sehr gut. Weil nur wenige dieses Handwerk beherrschen und es meistens Einmann-Unternehmen sind, braucht man für einen grossen Auftrag Hilfe von anderen Berufsleuten. Michael Koller unterstützt derzeit einen Kollegen. Für ihn ideal: So kann er Erfahrungen sammeln. In Mogelsberg baut Peter Angehrn aus Grub SG ein Blockhaus. Spatenstich war Anfang August, die Aufrichte findet vom 19. bis 21. Oktober statt. Während der Bauzeit können Besucher den Blockhausbau beobachten und den Zimmerleuten Fragen stellen. «Die Leute sind sehr interessiert. Das Handwerk wird geschätzt», freut sich Michael Koller. Er gibt sein Wissen nicht nur als Handwerker weiter, sondern auch als Lehrer. Am Berufsbildungszentrum Herisau ist er derzeit stellvertretender Fachlehrer.
 
Sein Wissen und die Leidenschaft für seinen Beruf zu teilen, gefällt Michael Koller. Am liebsten aber packt er selber mit an. Deshalb hat er sich auch, nachdem er fünf Jahre lange bei der Gossauer Holzbaufirma Blumer Lehmann als Projektleiter arbeitete, selbständig gemacht: um wieder vermehrt handwerklich tätig zu sein. «Holz anfassen, damit arbeiten, das hat mir gefehlt», sagt er. Man spürt es: Er ist fasziniert vom «lebendigen Baustoff Holz».

Quelle: St.Galler Tagblatt / Christine König

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